Upside down, life you’re turning me

2019 was geht bitte. Esofreunde, bestimmt wisst ihr da mehr. Ungünstige Planetenkonstellation? Aura-Schaden? Benjamini zu wenig gegossen? Bei mir steht alles auf dem Prüfstand. Der Denkapparat feiert Abrissparty. Und ich schaue zu, von innen gegen die Schädelwand. Freunde in Anführungszeichen, also Leute, die man beim Smalltalk als „Freunde“ beschreibt: Da geht’s lang, Lemming. Richtung Klippen. Mein Gehirn polt sich um, es tut, was es will. Die Vehemenz grauer Zellen im Autopilot kann grenzwertig anstrengen. Wenn man sich so eine Art „beste Leben“ aufgebaut hat und es anschließend von sich selbst um die Ohren gehauen bekommt, ist das für die einen logisch, für die anderen nicht nachvollziehbar und für mich typisch. So in etwa, als hätte man die EZB kurz nach Eröffnung mit der Abrissbirne ausradiert, sodass der Staub der investierten Millionen sich allmählich in die Vitrinen der Frankfurter hineinfitzeln und alles mit einer Schicht aus weichem Staub bedecken würde. Ja. So funktioniere ich. Ich halte es aus. Ich bin ganz bei mir und gleichzeitig lost.

Wer und was wichtig ist, darüber hat man im Alltag nicht immer Zeit nachzudenken. Ich hatte keine in den letzten Jahren. Ich war sehr Mutter. Vielleicht fühlt es sich gerade deswegen jetzt so intensiv an, Nachholen ist ja immer nur die komprimierte Version einer eigentlich länger andauernden Sache. Jetzt also nochmal kurz ausrasten und parallel den Kopf sortieren. Ein Verarbeitungsprozess, der zu lange auf Halde lag. Wie wenn man einen Windows PC defragmentiert und er nie wieder damit aufhört.

Eine Rakete schien zwischenzeitlich das beste Verkehrsmittel zu sein, nur wohin fliegen? Die Frage kam zu spät, bin schon unterwegs, und zwar schnell. Mit dem Rücken an einer Klippe stehen und sich einfach fallen lassen. Irgendwie einen klaren Kopf kriegen. Wenn da nicht die Kinder wären. Ich habe echt einfach Kinder gekriegt. Andernfalls wäre ich vielleicht komplett weg. Nun passt eher das Bild eines Hundes, an einer Säule festgekettet, der gerade wild kläffend sich halb selbst stranguliert. Vielleicht rühre ich auch den Jogurt morgens einfach nur in die falsche Richtung. Oder der Spiegel gegenüber des Fensters muss weg. Aber wenn man für einige Jahre die Zähne zusammengebeißt und Bedürfnisse ignoriert, dann hat man das eben davon. Bleibt im Moment nicht viel anderes übrig, als abzuwarten. Das Fass ist nicht übergelaufen, es ist weggelaufen. Und wenn jetzt in China ein Sack Reis umfällt, vielleicht bin ich dann da. Hier bin ich jedenfalls nicht. Aber ich komme wieder und dann wird alles so sein, wie ich bin. Wie wir sind und so.

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