Team Mädchen

Wieder den ganzen Abend nur sinnlos im Internet vergammelt, nix Neues, alles nur überflogen und halb angesehen. Mein Brain wirft es mir zurecht vor: Kein klarer Gedanke mehr denkbar. Wenigstens habe ich vorhin noch einen Salat zu Abend gegessen, mit Öl und Nüssen. Aber die Omega-3-Gehirnschmiere versickert wohl ungenutzt in meinem Gewebe. Ich würd mich jetzt gern noch etwas Entspannen, also tue ich ambitioniert nichts, das soll man ja angeblich auch mal tun. Jetzt glotzt mich der schiefe Turm des plasternen Playmobilschlosses an, selbst Schuld, wenn man alles nur gebraucht kauft und es dann nicht richtig geht. Hinter dem Schloss aber, der gusseiserne, kaum bezahlbare und in einem dänischen Tannwald von kleinen Gnomen geschmiedete Holzofen. Aus. Gut, dass ich mir jetzt nicht die Chips aus dem Schrank hole, aber was nicht ist, kann ja noch werden. Es sind die kleinen Dinge im Leben, die man hinterher im Bett bereut. Vor dem Einschlafen. Mir rinnt eine Träne die Backe hinab. Zu viel Internet, zu viel Bildschirm und zu viel Staub. Am besten creme ich mich gleich mit irgendwas ein und gehe schlafen.

Ich habe noch einen Schluck Weißwein hier neben mir stehen, den trinke ich noch. Wir Deutschen trinken zu viel, erinnerte mich vorhin die Tagesschau. Beste Leber. Das sei ja so ungesund und alle stürben dran, am Alkohol und Nikotin. Ein netter Nebeneffekt des Nichtrauchens ist, dass man sich damit alle weiteren Laster erlauben kann. Sogar ohne Staubmaske eine Wand einreißen habe ich mir genehmigt, vorhin, obwohl ich manchmal rauche. Daher auch die Tränen. Ich fühle mich aber trotzdem gesund. Und dann noch der Salat! Und Ferien! Grund genug, sich wieder mal richtig kaputt zu machen. Dazu fahren wir extra nach Berlin. Das ist ja bekanntermaßen der genau richtig Ort dazu. Wobei eine normale Woche hier zuhause reicht schon. Ich bin ja arbeitende Mutter. Ich weiß ja nicht, wer sich das mit der Karriere genau ausgedacht hat, aber dass wir Frauen unbedingt vom Herd weg wollten, das haben wir jetzt davon. Wie haben sich das die Frauen denn vorgestellt, mit dem Herd? Den kann man ja nicht allein zuhause lassen, an. Und so. Ok. Dann machen wir ihn also nach Feierabend an. Und übrigens auch den ganzen Rest. Spitzenidee. Wirklich. Vielleicht hat das ein oder andere Weibchen ja sogar noch das Glück als Quotenfrau in die Chefetage versetzt zu werden. Dann darf sie, gegrillt von dem Feeling, dass sie da nur statistisch sitzt, ihren Mann stehen und später mit der Schürze die Reiskörner unterm Esstisch zusammenklauben. Plus schlechtes Gewissen, denn auf dem Heimweg winken ihr die daheimgebliebenen Bindungsmütter mitleidig vom Thermomix aus zu und murmeln: „Wozu hat die eigentlich Kinder bekommen?“. Tja, aber wer kann sich das schon erlauben, nicht zu arbeiten. Und, wenn dann mal was ist, dann haben die ja nicht vorgesorgt. Wie dumm von den Heimchen, denkt die dann unterm Küchentisch. Die eine hängt am Erfolg, die andere am Mann und beide viel zu selten einfach zusammen rum. Ich nehme mir vor, die Tage mal in mich zu gehen und zu überlegen, wann wir Frauen eigentlich damit begonnen haben, uns gegenseitig so die Augen auszukratzen. Vielleicht weiß Google ja mehr. Ab ins Netz.

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