Die Muttermilch ist auf Temperatur, Party kann losgehen.

 
Ich liebe schlafen, ich schlafe acht bis neun Stunden. Mein Bett ist groß und unsere Decke 2m breit und schwer. Unausgeschlafen bin ich nicht nett. Und das ist noch nett formuliert, kein Witz.
Manche, wie ich, stranden ja Ende zwanzig, Anfang dreißig direkt aus dem Partyleben in die Elternschaft. Nächte durchmachen hatte für mich jahrelang etwas Charmantes an sich. Wenig Schlaf, viel Krach. Ich wähnte mich also vorbereitet, eine meiner typischen Überheblichkeiten. Außerdem verschlief ich mit einer Überdosis Lavendeltee die halbe Schwangerschaft und hatte volle Akkus. Bis die Party los ging. Genauso lang, genauso laut, aber getanzt wurde im Dunkeln abwechselnd und der einzige Drink, der ausgeschenkt wurde kam aus meinen zwei Zapfanlanlagen. Ich fühl mich so gratis. Ausgesaugt und übermüdet wurde ich recht schnell das, was nur dabei herauskommen kann, wenn man ungeduscht nächtelang 100 Dezibel ausgesetzt ist: ein Zombie. Nach Partynächten war ich das auch, aber dafür gibt es Sonntage. Die waren jetzt aber gestrichen, auf unbestimmte Zeit. Ich dachte, ich sei hart im Nehmen, aber das war selbst für mich eine Nummer zu groß. Irgendwann ging ich als Zombie sogar vor die Tür, die Hemmschwelle sank. Ich legte mal irgendwann Wert auf Stil. Entscheidend war jetzt, ob und wie ich eine meiner Brüste rausholen konnte. Und bequem, bitte, ich bin müde. Ich bin mal mit entblößter Brust mit dem Auto durch die Stadt gefahren, am Steuer, heulend. Habe nach dem Stillen im Auto einfach vergessen den milchigen Stofflappen hochzuziehen, vorher hat mein Kind gebrüllt, ich konnte die Welt nicht mehr verstehen. Ich bin sogar so ausgestiegen, dann ist es jemandem aufgefallen. Es war einer der Momente, in denen ich wirklich einfach sofort auf dem Asphalt schlafen wollte. In Gedanken bin ich nicht selten während des Kinderwagenschiebens niedergesunken und einfach auf dem Bordstein liegengeblieben – wisst ihr, übernächtigt jemandem dabei zuzusehen, wie er sich schwer tut einzuschlafen – nun ja. Ich schob, sie schlief irgendwann. Wieder zuhause, das Kind war dann: wach und ich reif fürs Bett. Das System hat im Nachhinein betrachtet seine Mängel. Aber ich hatte keine bessere Idee, es war mein erstes Kind. Neulich habe ich in einem verwirrt-ambitionierten Moment versucht, nachts einem Kind irgendetwas abzugewöhnen, das sind dann die Issues, wenn die Kinder größer werden. Es war spontan. Es war aussichtslos. Etwa so aussichtslos, wie im Club Musikwünsche an den DJ zu richten. DJs lassen nicht mit sich verhandeln. Sie haben ein Gespür für das Gespür. Sie tasten die Gefühlslage der Anwesenden ab und übersetzen diese Information in Musik. Kinder machen das ähnlich. Kinder fangen die Vibes ihrer Elternteile ein und übersetzen sie in Anspruchsgrundlagen. „Du liegst auf der Couch? Dann hast du also gerade nichts zu tun? Prima! Ich hätte da eine Aufgabe für dich…“. Das ist der grundlegende Unterschied der „Qualität“ des Schlafmangels in der Party/Kind-Konstellation. Aber Kinder geben einem so viel zurück, wirft das schon wieder erwähnte Vernehmen ein. Schlaf gehört allerdings erstmal nicht dazu. Kein Witz.
 
 
 
 
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