Lassmiranda Dennsiewillja

Es tut mir heute noch Leid, dass ich Thorsten die Kerze an den Kopf geschmissen habe. Es war ein duftendes Teelicht in Herzform. Ich bekam es mit einem Brief. Das war in der 7. Klasse und es war mir unendlich peinlich. Erstens wollte ich mit niemandem gehen und zweitens war Thorsten für meine Begriffe nicht schön, uncool angezogen und sagte im Unterricht schlaue Sachen. Ich fand ihn „dumm“ – typisches Qualitätsurteil Dreizehnjähriger. Ich glaube, ich habe ihm das Herz gebrochen. Alle haben zugeschaut, weil alle große Erwartungen hatten, als dieses wachsgewordene Liebesgeständnis auf meinem Platz lag. Aber ich wollte cool und lustig sein und dann kam das dabei heraus. Betretener-Blick-Emoji.

In der 4. Klasse ging eines Tages die Tür auf und ein neuer Schüler kam herein. Ich habe mich sofort in ihn verliebt. Er hatte das Dangerous T-Shirt von Michael Jackson an – Grund genug! Er sah das anders, das war irgendwann ok. Viele Jahre später wollte er dann plötzlich, aber ich nicht mehr. Klassiker. Ich wollte nur mit meinen Homies abhängen. Knutschen war mir total egal, das brächte alles nur durcheinander, dachte ich mir vorausahnend, und ließ es also gleich. Ich bin auf dieses ganze duschsexualisierte Ding nie so wirklich angesprungen. Ich habe mich in meinem ganzen Leben noch nicht ein Mal absichtlich „sexy“ gekleidet. Das ist gelogen, es war aber sehr selten. Bei den Jungs den Eindruck zu erwecken, ich wollte ggf. etwas mit Sex zu tun haben, fand ich irgendwie absurd. Ich wollte Laternen austreten und im Bushäuschen sitzen. Mit sexy Outfit strahlt man ja wie ein Sendemast völlig random in alle Richtungen seinen Sex-Appeal aus. Avancen to go, ist nicht meins. Bei Tieren ist das irgendwie einfacher. Die balzen nur im entscheidenden Moment. Baby, schau dir diese Premiumfedern an! Klares Signal, bums. Vor allem haben die ja in der Regel eine Paarungszeit. Wie praktisch! Dann sind sich mit Glockenschlag alle Vögel einig, dass aus dem Substativ ein Prädikat werden muss. Vorher und nachher: nicht. Und wer keinen Bock hat, versteckt sich halt. Wobei. Neulich am Teich wurde ich Zeugin einer Entenvergewaltigung durch drei Erpel. Sie sah eher so nach „Easy like sunday mornings“ aus. Die Erpel waren aber leider stärker und zu dritt. Ich habe mal gelesen, dass die Entenweibchen eine spiralförmige Vagina entwickelt haben, damit die Männchen nicht immer so überfallartig zum Akt vorbeikommen, woraufhin die Männchen dann passende spiralförmige Penisse entwickelt haben. Weird! Bei uns Menschen war die Evolution übrigens auch nicht ganz untätig: Die beste Aktion von Palina Rojinski kennt ihr sicher: Sie fotografierte einen rasierten Männerhintern, mit einem roten, engen Kleid darüber und einer Perücke als Haaren. Es sah aus wie der Teil von Palina, mit dem sie mal ihre Kinder stillen wird. Like you know. Tausende Männer holten sich in den Kommentaren verbal einen runter. Ein paar Tage später offenbarte sie die Wahrheit über das Bild. Lol. In grauer Vorzeit, als wir Menschen noch keinen aufrechten Gang gingen, erkannte das Männchen die Geschlechtsreife des Weibchens an ihrem Gesäß, das dazu genauer inspiziert wurde. Kihihi. Auf allen Vieren ist das Teil ja auch kaum zu übersehen. Als wir uns dann aufrichteten, ging das mit dem Inspizieren nicht mehr so gut. Aber da entwickelte sich idealerweise das passende Pendant auf Augenhöhe zur Geschlechtsreifeinspektion. Es sei denn, es ist das Foto eines nackten Männerpos.

Es gab übirgens auch mal einen, zu dem wurde ich überredet. Seine Freunde nervten mit sowas wie: „Der findet dich total toll!“ und „Das ist ein ganz lieber“ und so. Dann habe ich nach einer Viertelstunde Gejammer „Ja“ gesagt und mich nach einer Dreiviertelstunde wieder getrennt. Das müsste die kürzeste Beziehung meiner Geschichte gewesen sein! Das ist doch locker eine Meldung in der Bunte wert! Ach ne. Ich bin ja gar nicht Billie Eilish. Aber ich bin zumindest genauso gerne unsexy wie sie.

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