Happy, horny, freak, repeat.

Angefangen hat alles mit einem Werbespot: Eine Hand umschließt sanft einen Zeigefinger. Die Menstruation ist eine Geschichte voller Missverständnisse, sagt die Stimme. Die Hand, die Scheide – sie umwickelt den Finger, das Tampon – ein Moment der Zusammengehörigkeit. Wie Schlüssel und Schloss, Chip und Chap, Scheide und Tampon: das blaue Band fürs Leben. Und die Binde schluckt blaue Flüssigkeit im Weizenglasformat – Periode, dich werde ich im Griff haben, wenn du mal kommst, denkt mein 14-jähriges Ich. Sie kam. Und die Flüssigkeit war nicht blau und die Binde mit Flügeln eine Hallig bei Sturmflut. Was soll man dazu sagen? Ich hatte mir eigentlich lange Beine und schöne Brüste als Welcome Geschenk gewünscht, die Periode dagegen, eine Schmäh. Jetzt bin ich also eine Frau.

Vom Periodenneid der Männer ist ja kürzlich die Rede gewesen. Periodenneid. Die Periode ist vielleicht wirklich noch das Beste daran, denn vor der Periode: Leid. Vielleicht ist ja das Ei an allem Schuld. Aber wer soll’s ihm krumm nehmen: Ein One Hit Wonder – wenn überhaupt – ein kurzer Auftritt jedenfalls, der Sprung in den Eileiter, 24 Stunden Showdown, großer Auftritt in der Gebärmutter, nur leider keine Fans. Ich habe heute leider keinen Sex für dich. Spontanes Hormonchaos, kalter Östrogenentzug – nur, dass du es weißt: Ich war hier, Gruß, dein Ei. Beleidigtes zu Grunde gehen und es geht nach dem Motto: Wenn ich gehen muss, dann gehst du mit. Fressattacken, Gereiztheit, Jammertäler, Übelkeit, Migräne, Pickel – es ist nicht damit getan, ein Tampon – oder neuerdings einen Cup – zu benutzen, liebe Periodenneider. Hormone sind anstrengend. Periodenleid.

Vor allem, weil wir vor dem Eisprung im „What doesn’t kill me, makes me stronger“ Modus sind. Es sind die Tage des Kleidertragens, des Blumenkaufens und des sich Schönfindens. Von der Leichtigkeit beflügelt, finden wir plötzlich doch alles gar nicht so anstrengend und nervig wie sonst. Der Übergang zur Kuschelphase ist fließend und unauffällig, alles recht attraktiv da neben uns im Bett. Und dann versetzen wir das Ei. Brah! Dabei hat es doch fast 30 Jahre lang in unserer fleischernen Schatulle gelegen und gewartet, dran zu sein. Niemand von uns kann sich in ein übersehenes Ei hinein fühlen. Ich meine, wir alle hier hatten ja das Glück eines DER Eier zu sein. Stellt euch mal vor! Einen Monat früher oder später und wir wären nichts weiter gewesen, als die nervigste Woche des Zyklus. Nix Instagram und beste Leben! Der ganz große Auftritt war das, von vorne kam die schnellste Samenzelle, hinter ihr 100 Millionen Follower – wie geil kann der Start denn bitte sein? Die Eier der anderen Zyklen dagegen: sunny side down. Wen wundert es also, unsere Freakshow namens PMS. Die Gebärmutterschleimhaut wird in dieser Phase des Wahnsinns noch bei Laune gehalten, doch irgendwann fühlt sie sich wie alle, die eine Woche Fressanfälle haben: irgendwie zu dick. Der letzte große Auftritt rauscht an uns vorbei. Wir gehen. Eine allgemeine Entspannung tritt ein, das Ei ist weg, das neue noch brav im Kessel – „What doesn’t kill me, makes me stronger“. Meine Damen, wären wir alle Elefanten, hätten wir diesen Spaß nur alle vier Monate statt alle vier Wochen. Dann wären wir aber auch Elefanten und hätten weder Netflix noch Sahnetorte. Was hilft also das Jammern: Nix. Vielleicht hilft es, nächstes Mal einfach an unser verstimmtes Ei zu denken. Es hat ja Recht und ist, zwischen all den anderen Schreihälsen, die ständig was wollen, nur ein weiterer Programmpunkt. Vorschlag für ein schlechtes Mantra, wenn wir innerlich mal wieder die Kuscheltiere unserer Kinder exekutiert haben: Liebes Ei, die Eier der anderen fühlen sich genauso wie du. Ich weiß, davon haste jetzt auch nix. Du warst nur zur falschen Zeit am falschen Ort. Es tut mir Leid. Der Abschied schmerzt mit Ibuprofen ein bisschen weniger doll, ich nehm‘ gleich zwei und freu mich auf die nächste Zyklusphase. Happy. Horny. Freak. Repeat.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s