Über Raben Mutter

Könnte mich bitte mal jemand mit Sensodyne einreiben? Ich bin grad so schrecklich empfindlich. Oder eine Infusion Kartoffelbrei. Die Basis ist nicht basisch genug. Dabei ist ja jetzt Frühling! Meine Kinder fordern nun täglich den Osterhasen ein, undankbare Gören! Anstatt sich jetzt erstmal über die Sonne zu freuen. Typisch! Der Mann trifft sich indessen mit seinen Freunden. Bier, Zigaretten, Sport. Alle machen, was sie wollen. Ich dagegen optimiere mein Mutter-Ich. So sieht’s nämlich aus. Wer die Wallstreet für ein gnadenloses Pflaster hält, der soll mal Mutter werden. Im Big Brother Container wäre ich wohl noch unter weniger Beobachtung kritischer Mütter, als beim Abholen aus der Betreuung. Ich finde das in diesen Tagen alles recht anstrengend. Weil scheinbar alles an mir hängt. Der spätere Erfolg, das Wohl des Kindes – die Saat dafür bringe ich gerade in den Boden ein. Und wehe dem, der pfuscht! Das ist no fun, liebe Mütter. Fun ist sowieso meistens nicht gut, da hat man schließlich was davon, und dann gilt man ja schnell mal als egoistisch. Selbstaufgabe ist ein Hype unter Müttern. Eine, die bestimmt auch nur alles richtig machen wollte, hat jetzt folgendes am Hals: Hier in der Stadt erzählt man sich, wurde der Sohn einer Schulleiterin, voll auf Teilen (das ist Ecstasy) von einem Abischerz mit dem Krankenwagen abgeholt. Ufff. Das muss man dann auch erstmal aushalten. Ob die wohl geraucht hat? Oder zu oft den Fernseher angeschaltet? Ich habe seit vielen Jahren drei Szenarien im Kopf, die es mir später wirklich schwer machen würden, würde eines meiner Kinder sich dafür entscheiden: 1. Pornos drehen, 2. Sich einer Sekte anschließen und mich ablehnen, 3. Einen Mann lieben, der sie schlägt. Ich würde mich fragen: Was habe ich falsch gemacht? Überfordernd, zu lax, zu streng, zu bemutternd, zu Helikopter, zu desinteressiert, zu sehr hinten dran, zu laut, zu inkonsequent, zu früh ins eigene Bett, zu lang im Elternbett, zu viel TV, falsches TV, zu viele Spielsachen, zu viele Süßigkeiten, zu wenig Gemüse, zu viel geraucht, vor dem Kind getrunken, vor den Kindern gestritten, zu viel gearbeitet, gar nicht gearbeitet, zu viele Hobbies, keine Hobbies, zu viele Erwartungen, zu wenig gespielt, zu viele Piercings, zu viel am Handy, kein Plan vom Internet, abends nix vorgelesen, zu früh TKKG. Irgendwann läuft auch der letzte Lemming auf den Abgrund zu. Wir können es doch nur verkacken. Zum Glück rauche ich nicht! Das finden ja viele unpassend. So wie man keinen Rotwein zum Fisch trinkt. Ich würde aber rauchen, wäre es nicht so bescheuert. Einfach nur, weil ich gerne provoziere. Ich pöbele meine Kinder ja auch an und gehe am Wochenende bis morgens um 6 Uhr aus. Und sie essen abends manchmal Salzstangen statt Brot, die MIT Salz. Das ist eben so. Meine große Tochter hat mich neulich im Bad überrascht, als ich mich näher im Spiegel betrachtete. Ihr Kommentar: „Na, Mama, wächst dir jetzt auch langsam ein Bart?“ – Ein Bart? Warum eigentlich nicht. Ich war schon immer eher ein Junge. Und die werden bekanntlich keine Mütter. Ich hatte mehr Jungsfreunde, habe mich nicht wie ein Mädchen gekleidet, hatte lange keinen Freund und keine Brüste bis ich 16 war, habe geraucht, Kool Savas gehört und mit meinen Freunden jeden Tag in einem Keller abgehangen und ihnen beim Rappen zugehört. Röcke kam erst Mitte 20 in mein Leben und Lippenstift so um die 30. Da war ich ja auch schon Mutter. Fraulicher wird’s nimmer. Verbotener auch nicht. So, das hab ich jetzt davon. Da konnte ich so viele Baggypants tragen, wie ich wollte, jetzt bin ich eine Mutter, basta. Wenn wir also mit Freunden zum Kuchen eine Flasche Sekt aufmachen, müssen die Kinder abends ganz viel Gemüse essen. Rohkost fürs Karma.

One thought

  1. Rohkost fürs Karma – Herrlich! Ich denke, ein paar Absätze und vielleicht Zwischenüberschriften würden noch beim Lesen helfen – und das Lesen lohnt sich ja. Toller Text mit Gedanken, in denen ich mich echt wiederfinde 😀

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