All the women, who are independent

Ladys, wir müssen reden. Über uns. Auch wenn meine Tage gerade so voll sind, wie die U-Bahn in Tokio. Es läuft wieder GNTM und es erheben sich die alljährlichen Zeigefinger, gerne auch die männlichen. Liebe männliche Autoren, eins vorneweg: Danke für so viel Mitgefühl, ihr seht, wir werden reduziert aufs Äußerliche. Und das sagt ihr dann zu recht, sei ja nix. Vorbildlich. Und zweitens: Ich suche mir meine Unterhaltungssendungen gerne selbst aus und lasse sie mir dann auch ungern madig machen. Im übrigen sehe ich das so: Wer zu kritisieren hat, das GNTM Frauen reduziere, der tut es eben selbst. Denn er macht jedes einzelne Mädchen zu einem naiven Dummchen, das zu unreflektiert ist, einer Sendung wie GNTM zu entsagen. Das verstärkt ein Bild von Mädchen/Frauen, das eigentlich keiner haben will. So blöd sind wir alle nicht. Und ich möchte mir weder von Männern noch Frauen sagen lassen, welchen medialen Content ich mir anzusehen habe oder welche Jobs ich als Frau zu machen habe, um als eine von den „modernen, aufgeklärten, emanzipierten“ zu gelten. Traut uns zu, es zu durchschauen, auch den jungen Mädchen. Und traut es uns Müttern zu, es unseren Töchtern zu zeigen. Haltet uns nicht für verängstigte Weibchen, die beim ersten Anblick einer Heidi Klum den Schokoriegel weglegen. Wir kommen klar. Und unsere Töchter werden es auch, wenn ihr uns endlich lasst. GNTM ist eine Unterhaltungssendung. Das wissen auch schon junge Mädchen. Die Hände über dem Kopf zusammenzuschlagen vor Angst, eine Generation 15-Jähriger verliere den Verstand über dem Wunsch auch so ein Model zu werden, das sollten uns die letzten 14 Jahre GNTM gezeigt haben, müssen wir nicht haben. Und wer sich nun daran aufreibt, dass Mädchen hier aufs Äußerliche reduziert werden, dem sei gesagt: Jedes Business reduziert. Ein Business, das ausschließlich auf der visuellen Ebene arbeitet, ist an Äußerlichkeiten interessiert. Der FC Bayern wählt – logisch – nur sportliche Leute aus. Eine Bank hätte gerne jemanden, der mit Zahlen kann. Herzlich Willkommen im Kapitalismus. Hier zählt, wer besser passt, weil’s Kohle bringt. Und Ehrgeiz und Konkurrenzdenken sind Dinge, die vorwärts bringen, so weh das tut. Aua. Das fängt schon in der Schule an, in der die besser durchkommen, die genau das begriffen haben. Und die Fächer reduzieren unsere bunte Welt auf ein paar wenige Bereiche. Wer Schauspieltalent hat und eine Koryphäe in Sachen Empathie ist, bekommt noch lange kein Abitur. Das sind unsere Kinder längst gewöhnt. Das aber, ist generell zu kritisieren und kein immanentes Problem von GNTM. Genauso wenig wie der stets kritisierte Körperkult. Das Model Business hat längst begonnen sich aus der 90-60-90 Backform zu lösen, wir sehen Models mit völlig unterschiedlichen Looks und Körperformen. Doch selbst das ist den Kritikern zu hohl, einfach weil sie es hohl finden können. Weil man nach den Schlagworten: Heidi Klum, GNTM und Frauenbild kaum noch einen geraden Satz bilden können muss, um Applaus zu bekommen. In Wahrheit zum Kotzen ist das Reallife: Frauen, die abschätzig urteilen über zu dicke Beine in zu kurzen Hosen und zu weichen Bäuchen in zu engen Tops. Mütter, die Kalorien zählen, am Salatblatt knabbern und sich fett finden. Eltern, deren Work-Life-Balance kurz vor dem Burnout steht. Lehrer, die in Schulen immer noch nach dem Prinzip: Anpassung gleich Erfolg bewerten. Unternehmen, die Selbstaufgabe und Überstunden mit Beförderungen belohnen. Unsere Mädchen erleben genau das jeden Tag und zucken zurecht mit den Achseln, wenn dann plötzlich GNTM zu einem schlechten Vorbild für sie gemacht werden soll. GNTM ist nichts weiter als ein Symptom. Es ist nicht die Ursache. Und das tut weh, jedes Jahr aufs Neue. In meinen Augen tut die Kritik daran aber gerade der Debatte über ein „Frauenbild“ keinen Gefallen. Vor allem dann nicht, wenn wir großen Frauen noch nicht gelernt haben uns zu lieben, uns gegenseitig zu supporten und die Medien sich herausnehmen, uns Frauen zu sagen, wie wir uns gefälligst zu verhalten haben.


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