Taschentuch, Homie?

Es ist kein Witz: Ich schreibe diese Zeilen unter dem Einfluss von 432 hz Musik. Ich habe vor zehn Minuten „positive Vibes“ gegoogelt, in der Hoffnung, irgendein Life Coach hätte da mal mitgedacht und d e n Tipp überhaupt auf YouTube hochgeladen, stattdessen wird mir psychedelische 432 hz Musik vorgeschlagen. Ein „Fachartikel“ auf irgendeiner Vegan-Lifestyle-Seite hat mir gereicht, die Mukke bringt meine Gehirnhälften in Einklang und meine DNA in Schwingung. Das muss auf jeden Fall stimmen, kein Zweifel, bin ja vom Fach, also habe ich gleich mal das 6 Stunden Video angeklickt und erwarte, dass die Frequenz nun das in mir harmonisiert, was wieder mal durch fiese Hormonstruggles und Stress bei mir disharmoniert wurde. Dazu kommt noch ein fieberndes Kind, ein schlechtes Gewissen, weil ich mich deswegen heute krank melden musste und eben weitere innere Knoten, zu deren Auflösung ich nicht im Stande bin. Da macht man Yoga, zieht an den Stadtrand, isst brav Gemüse, bewegt sich ausreichend und lebt ansonsten wirklich locker und mit viel Freude (Ja, mir gehts gut. Versprochen.) und trotzdem gibt es diese Phasen immer wieder, in denen eine Mondrakete scheinbar die einzige Lösung sein kann. Oder ein Klappspaten für das Loch, das ich mir graben will, um mich drin einzukugeln. Winterschlaf, Einpuppen, Kapselstadien – für andere Lebewesen gibt es so wirksame Methoden des Abschaltens! Passt dem Bakterium die Umgebung nicht – zu warm, zu kalt, zu trocken, zu nass – einkapseln. Wird es dunkel, kalt und es gibt nichts zu Futtern – Winterschlaf. Ist es an der Zeit mal jemand anderes zu werden – einpuppen. Toll! Mir passt soeben auch nichts wirklich – ich googele „positive Vibes“. Extra geile Strategie. Diese Tiefs sind so vorhersehbar wie das Wetter in drei Wochen, kommen auch nach extra schönen Wochenenden und sind immer wieder allmächtig. Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Müdigkeit, Pessimismus gepaart mit, und jetzt kommt’s (!), einer völlig irren Motivation etwas im Haus zu verändern, nur das Könne die Lösung sein, dann gehe es mir besser. Um mich runterzubringen koche ich Kräutertee, schmeiße Basentabletten und bade in Entspannungsessenzen. Aber manchmal, da hält mich nichts und so sind schon Wände eingerissen, Böden neu verlegt und ganze Blumenbeete vor den Augen meiner Familie umgebettet worden – weil ich genau das dann sehr störend fand und mir diese Veränderung scheinbar Besserung all meiner Symptome versprochen hatte. Diese Hauruck-Aktionen passieren in der Regel in diesen Phasen, denn dann habe ich anscheinend einen besonders kritischen Blick auf meine Umwelt, sehe überall Macken und Unzulänglichkeiten. Die Veränderung kann die einzige Lösung sein – ist mein Gedanke. Meist sind es Mammut-Aktionen, völlig übertrieben, anstrengend, von außen betrachtet irrational und danach bin ich in der Regel komplett zerstört, aber zufrieden mit dem Ergebnis. Von meinen Freunden höre ich dann immer : „Wie machst du das alles?“ Bestimmt nicht in den klarsten Momenten meines Lebens! Und dann ändert sich der Hormonstatus und bestimmt auch die Mondphase und vielleicht esse ich aus Versehen einen linksgerührten Jogurt und es geht mir von einem auf den anderen Tag wieder bestens. So ist das. Und morgen ist das anders. Und ich mache die Küche neu. Danke Zyklus – du bist Motor und Monster zugleich.

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