Die Leere daraus

Ich habe 30 Tage lang ausgemistet. 465 Dinge weniger besitzen wir nun. Und? Merken wir das? Nein. Es sieht genauso aus wie vorher hier, alles funktioniert und es fehlt uns an nichts. Ist das nicht grässlich? Wie ist es nur dazu gekommen, dass wir alle so viele Dinge besitzen, die wir zum Leben nicht brauchen? Und ich rede ja nicht mal von Büchern oder schönen Vasen, die man eben trotzdem gerne da hat, ich rede von all dem Kram, der wirklich ungenutzt irgendwo lagert, doppelt und dreifach vorhanden ist und nicht mal die Funktion hat schön auszusehen oder mich zu entertainen. Wir leben im Überfluss! Das war mir zwar schon vor dem Minimalism Game klar, aber ich hätte nie und nimmer gedacht, dass ich 465 Dinge einfach so aussortieren kann und keiner merkt`s. Und wer denkt, dass ich mich bei all dem gut gefühlt habe, der irrt: Sicher ist es toll, wenn man ausmistet, man fühlt sich befreit, geordnet und gut sortiert, aber gleichzeitig fühlte ich mich dabei dekadent und wohlständisch. Und es war für mich ein Dilemma, weil ich ja nicht Unmengen Müll produzieren wollte. Ich musste also schauen, dass ich das Zeug verschenkt oder verkauft bekam. Nur so, konnte das für mich überhaupt rechtfertigen. Minimalismus ist ja in aller Munde, ein Trend. Eigentlich ja gut, zumindest dann, wenn er auch wirklich als solcher gelebt wird. Wenn das ursprüngliche Ausmisten anschließend damit belohnt wird, dass man sich wieder neue Dinge anschafft, die gerade fancy sind und zu einem hübschen Großstadt-Eltern-Zuhause dazu gehört, dann beißt sich die Katze in den Schwanz. Dann steckt hinter dem ganzen Minimalismus Hype nur ein versteckter Grund, sich Neues anzuschaffen. Wer wirklich Minimalismus leben will, der muss nach dem ersten Ausmisten auch dabei bleiben und auch beim Shopping Minimalist werden. Ich weiß nicht, wie ernstgemeint Minimalisten an diese Tatsache herangehen. Ich weiß nicht, ob sich hinter dem Hype nur große Müllberge und neuer Konsum versteckt. Minimalist sein zu können, ist keine Frage von Wollen, es ist eine Frage von Wohlstand. Es ist ein logisches Ergebnis der westlichen Konsumgesellschaft. Nur wer unendlich viel Schrott kaufen konnte, kann irgendwann an dem Punkt sein, das Minimalist Game spielen zu wollen. Für mich heißt die Konsequenz aus dem Ganzen also nun: jeden Kauf ernsthaft hinterfragen. Nur dann, kann ich das Minimalist Game für mich auch als Erfolg werten.

2 thoughts

  1. Hihi… Ist schon krass, oder? Also bei uns merkt man es schon, da wir mittlerweile fünf Schränke weniger haben. Aber dennoch immer noch nicht typisch minimalistisch leben.

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